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„Meine Zeit liegt in Gottes Händen“ – Präses Latzel beim Jahrestreffen der Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben

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Zu ihrem 30. Jahrestreffen ist die Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben im Altenberger Dom und den umliegenden Tagungsstätten zusammengekommen. Damit kehrt man nach 2019, dem letzten Treffen dieser Art in Altenberg, an die traditionsreiche Stätte zurück, die bereits 1133 Teil des Zisterzienser-Klosters Altenberg war. Nach einem Begrüßungskaffee und einem Abendessen startete die Tagung mit einem gemeinsamen Gottesdienst und ganz besonderer Chormusik im Altenberger Dom. An den folgenden Tagen konnte man an verschiedenen Vorträgen und Diskussionsrunden teilnehmen.

Zunächst einmal begrüßte die Orgel mit kräftigen Klängen die Gottesdienstteilnehmer im Altenberger Dom. Beeindruckend war die Konsole der Orgel, die mitten im Dom aufgebaut war, sodass man die Organisten Rolf Müller und Andreas Meisner hautnah beobachten konnte.

„Worüber können wir jubeln?“

Pfarrerin Claudia Posche begrüßte neben den Zisterziensern und Gottesdienstbesuchern auch viele Gäste wie den katholischen Pfarrer Thomas Taxacher, den stellvertretenden Bürgermeister Christof Jochum sowie Landrat Stephan Santelmann sowie Pfarrer Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Jubilate – so ist dieser Sonntag überschrieben, doch worüber können wir jubeln?“ Es gebe den Jubel über den Meistertitel, doch der Blick auf das Weltgeschehen zeige eher das Gegenteil. „Worüber können wir trotzdem jubeln? Schöpfung und Neuschöpfungen sind die Kraft unseres Lebens. Mit Gott können wir immer wieder neu anfangen. Paulus sagt, das Alte ist vergangen, es ist alles neu. Das gilt besonders nach Ostern. Mit Gott kann jeder immer neu anfangen, gerade wenn man ganz unten ist. Mit Gott an unserer Seite verzweifeln wir nicht, mit Gott kann man immer wieder neu jubeln.“

Psalm 66 sage dann auch, lauscht zu Gott, lobsinget Gott und sehet seine Werke. „Gott hält unsere Seele am Leben.“ Die Lesung bezog sich auf Johannes 15: „Christus sagt, ich bin der wahre Weinstock, mein Vater ist der Gärtner. Welche Rebe keine Frucht an mir bringt, nimmt er weg. Ihr müsst an mir bleiben, Ihr seid die Reben, ohne mich könnt ihr nichts tun. Wenn ihr an mir bleibt, werden Eure Bitten erhört.“

Glaube als Trotzkraft gegen Krisen

Eine beeindruckende Leistung bot der Chor der Domkantorei Altenberg.
Eine beeindruckende Leistung bot der Chor der Domkantorei Altenberg.

Pfarrer Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, nahm in seiner Predigt auf den Psalm 31 Bezug. „Es gehört zu unserer Zeit, alles ins Kleinste zu zerhäckseln. Gott im Teebeutelformat – das passt in die digitale Zeit. Die Tiefe geht dabei verloren, das ist wie ein Glaube ohne Tiefe.“  Das erinnere an Psalm 31, der voller netter Versatzstücke sei, den Jesus am Kreuz gesprochen habe. Man müsse den Psalm im Zusammenhang sehen. „Hier können wir von der Tradition der Zisterzienser lernen. Gerade in einer Hochschwelligkeit liegt die Bedeutung dieser ihrer Tradition.“

David gehe hier weiter in die Tiefe, er habe sich Gott ganz ergeben. Er vertraue ihm auch seine Angst, seinen Hass an. „In deine Hände befehle ich meinen Geist, ich hasse die Götzen, du kennst die Not meiner Seele. Herr sei mir gnädig, mir ist angst. Meine Kraft ist verfallen, ich bin allen eine Last geworden. Ich hoffe auf dich, errette mich vor meinen Feinden, lass mich nicht zu Schanden werden.“ David betone die Güte Gottes auch gegenüber Feinden.  Er bete weiter: „Du hörtest die Stimme meines Flehens.“ Welche Schlüsse könne man daraus ziehen?

Erstens: „Da betet ein Mensch in tiefster Einsamkeit ganz unten. Er klagt über seine Feinde. Das hören wir nicht gerne. Zorn, Hass und Wut in mir haben aber einen Platz vor Gott. Hatte Jesus auch diesen Teil des Psalms im Sinn? Wir in der Kirche sind schnell bei der Vergebung. Aber Hass und Feindklagen gehören zu mir, genau das gehört vor Gott.“

Zweitens: Die Trotzkraft des Glaubens. „Der Psalm ist voll damit. Ich aber hoffe auf Gott, ich vertraue auf den Herrn.  Ohne Streit und Anfechtung ist Glaube nicht zu haben. Der Glaube ist eine Hoffnung, eine Trotzkraft gegen alle aktuellen Krisen. Glaube braucht Übung.“

Drittens: Die Unverfügbarkeit meines Lebens. „Meine Zeit liegt in Gottes Händen, ich kann nicht bestimmen, wie mein Leben verläuft. Das ist eine Zumutung, ich bin mir selbst entzogen. Ich tue so, als wäre ich meines Lebens Schmied. Doch ein kleiner Herzinfarkt, ein Sturz macht alles zunichte. Wenn ich aber auf deine Gotteshände vertrauen kann, wenn du mich vor meinen Feinden schützt, in deine Hände befehle ich meinen Geist“.

Viertens: Meine Freiheit. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Damit sind wir hier am Dom angekommen, den die Zisterzienser vor 900 Jahren gebaut haben. Hier spüre ich Freiheit und Weite durch Bindung mit dem Verweis auf die Erhabenheit Gottes. Solche Hoffnungskirchen müssen wir durch die Jahrhunderte pflegen. Hier ist ein Ort heilsamen Widerstandes, ein Ort, wo das Gleichnis der Unsterblichkeit niemals verstummt.“

Abschluss mit einem vierhändigen Orgelstück

Nach einem gemeinsamen Lied wurde in den Fürbitten für Verständigung, den Segen für die Tagung sowie die Erfüllung mit Liebe gebeten.

Zum Abschluss des Gottesdienstes gab es ein ganz besonderes Orgelstück, die Toccata Campanella von Andreas Willscher für vier Hände. Anschließend trafen sich alle zu einem Empfang im Martin-Luther-Haus, Grußworte gab es vom Superintendenten Pfarrer Torsten Krall, von Landrat Stephan Santelmann sowie dem stellvertretenden Bürgermeister Christof Jochum.

An den nächsten Tagen wartete ein ausführliches Veranstaltungsprogramm auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zisterzienser-Tagung. Ein Highlight war dabei einerseits der Vortrag „Raum und Liturgie“ von Frater Aloysius Maria Zierl (Heiligenkreuz), andererseits der Abend der Gemeinschaft mit Esther Schmitz, die im echten Leben Dorothee Schaper (Studienleiterin Melanchton-Akademie, Köln) heißt. Sie enthüllte in ihrem Programm „Tanzende Fontänen, Kölsch un Flönz“ die Geheimnisse des rheinischen Protestantismus.

Im Dom selbst konnte man den Stummfilm „Der Galiläer“ (1921) sehen und dabei über die Orgelkunst des katholischen Domorganisten Rolf Müller staunen.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann

Der Beitrag „Meine Zeit liegt in Gottes Händen“ – Präses Latzel beim Jahrestreffen der Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.