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Mehr als 70.000 Menschen kamen zur Kundgebung „Demokratie schützen – AfD bekämpfen“

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Lena aus Bergheim sagt, es sei ihr wichtig, christliche Grundwerte zu vertreten, zu zeigen, dass alle Menschen Geschwister sind. „Wir müssen jetzt ganz dringend klarstellen, dass wir die Mitte der Gesellschaft sind, und nicht die AfD in ihrer fürchterlichen Menschenverachtung. Menschen, die sich vielleicht jetzt noch scheuen, Stellung zu beziehen, sollen spüren, dass sie Rückhalt haben.“ Darum ist sie an diesem Sonntag nach Köln zur Deutzer Werft gekommen, um mit ihrer Tante Inge, ihrem Onkel Christoph und mehr als 70.000 weiteren Demonstrierenden ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Christoph ergänzt die Meinung seiner Nichte und sagt: „Wir sind froh, dass die Menschen die Politik der AfD nicht mehr einfach hinnehmen, denn wir haben Angst, in einer Diktatur zu enden. Und wir möchten uns für ein friedliches Europa einsetzen.“

Zur Kundgebung „Demokratie schützen – AfD bekämpfen“ aufgerufen, hatte das Bündnis „Köln stellt sich quer“ nachdem ein Bericht des Essener Medienhauses Correctiv den bei einem Geheimtreffen in Potsdam diskutierten sogenannten „Masterplan zur Remigration“ von Asylsuchenden, Ausländern mit Bleiberecht und „nicht assimilierten deutschen Staatsbürgern“, aber auch von Menschen mit deutschem Pass, die eine Migrationsgeschichte haben, offenlegte. Dazu wurde ein „afrikanischer Musterstaat“ für bis zu zwei Millionen Vertriebene skizziert. „Dieser Vorschlag erinnert fatal an eine Idee der Nationalsozialisten von 1940, alle europäischen Jüdinnen und Juden auf die Insel Madagaskar umzusiedeln“, teilte „Köln stellt sich quer“ in seinem Aufruf zur Kundgebung mit. Weiter hieß es: Wer die AFD unterstützt und wählt, gibt Personen ein Mandat, die menschenverachtende Verfassungsfeinde sind, die die Demokratie missbrauchen, um sie abzuschaffen, und die selbst vor Deportationen nicht zurückschrecken.

Seit 2008 engagiert sich das Bündnis aus Evangelischem Kirchenverband Köln und Region, Vereinen, Parteien, Gewerkschaften, Institutionen und Organisationen gegen jegliche Form des Rassismus. Mit dabei war auch die Initiative „Arsch huh“, 1992 von Musikerinnen und Musikern gegründet, um sich klar gegen Neonazis und Ausgrenzung zu positionieren. Rund 80 Organisationen hatten zudem ebenfalls in den vergangenen Tagen ihre Unterstützung zugesagt. Judith Gövert, Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Köln-Bonn, moderierte so letztlich ein vielfältiges Programm aus Musik sowie Statements von Akteurinnen und Akteuren aus Vereinen und Initiativen, der Politik, dem Sport, dem Karneval und der Uni Köln.

Für den Kölner Kirchenverband kam Torsten Krall, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, auf die Bühne. Gerade zurück von der Landessynode, brachte der Pfarrer deren klar formulierten Beschluss mit: „Die Landessynode hat erklärt, dass die politischen Grundsätze der AfD nicht vereinbar sind mit den Grundwerten der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es soll durchaus der Dialog mit AfD-Wählerinnen und Wählern gesucht werden, doch es gilt, deutlich zu widersprechen, wenn Intoleranz und Hass das Gespräch bestimmen.“ Beifall kam auf, als der Superintendent bekräftigte, das Kirchenasyl werde ausgebaut. Ausdrücklich bedankte er sich bei der Menge mit ihren bunten Schildern, Fahnen und Plakaten: „Ich finde es großartig, dass sich so viele Menschen auf den Weg gemacht haben. Meine Tochter hat eine Schwerstmehrfachbehinderung. Sie kann heute nicht hier sein – aber wir alle sind stellvertretend für sie da!“ Es sei jetzt wichtiger denn je, ist der Theologe überzeugt, die Straßen und die sozialen Netzwerke mit der positiven Botschaft von Solidarität und Nächstenliebe zu fluten, den Menschen, die nicht auf die Straße gehen können zu zeigen, dass sie nicht allein sind.

Auch Anette Dovideit, stellvertretende Chefredakteurin bei Correctiv, war zur Kundgebung gekommen. Sie berichtete, die Redaktion habe zu Beginn der Recherche nicht geahnt, was da auf sie zukommen würde, dass nach Bekanntwerden der Rechercheergebnisse Hunderttausende bundesweit auf die Straßen gehen würden. „Wir lassen diesen Angriff auf die Verfassung nicht zu. Die Demokratie gehört uns!“, schloss sie ihr Statement. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker bekräftigte diese Aussage: „Wir nehmen nicht hin, dass die Demokratie ausgehöhlt wird. Wir sind die Mehrheit.“ Aber auch sie mahnte, wie Superintendent Torsten Krall, weiter den Dialog zu suchen. „Sprechen Sie mit den Menschen, gerade im Hinblick auf die Europawahl im Juni.“

Als Line-up von „Arsch huh“ spielten Brings mit Querbeat, die Paveier, die Bläck Fööss unterstützt von ihren Gründungsmitgliedern, Erry Stoklosa und „Bömmel“ Lückerath, Kasalla, die Rapper Eko Fresh dabeihatten, die Höhner und Cat Ballou. Klare Worte gegen Rechts fanden sie alle. So hatte Kasalla Frontmann Bastian Campmann gerade erst im Interview mit der Kölnischen Rundschau klargemacht: „Jede Stimme ist wichtig. Hoffentlich hat dieses Treffen von offenkundiger rechtsextremer Menschenverachtung in Potsdam jetzt auch noch die Letzten wachgerüttelt, dass dort eine rote Linie überschritten wurde.“ Die Kabarettisten Wilfried Schmickler und Jürgen Becker standen gegen Ende der Kundgebung gemeinsam auf der Bühne. Ihre Botschaft: „Wir sind alle Menschen, hier fliegt keiner raus.“ Und auf gut Kölsch: „Loss mer fiere, nit deportiere!“

Mitten in der Karnevalssession brach Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitee Kölner Karneval schließlich eine Lanze für die Narrenzunft: „Der Narr wurde damals Teil des Systems, aber er lernt aus seinen Fehlern. Er steht heute für Respekt, Vielfalt, Toleranz, Integration und Inklusion – Köln ist bunt wie Konfetti.“ Und zum Schluss gaben Brings und Querbeat den friedlich und knallbunt protestieren Menschen noch ihre ganz eigene Botschaft mit auf den Heimweg: „Wir sind Brüder, wir sind Schwestern. Ganz egal wo wir sind, glaub mir, die Liebe gewinnt.“

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Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl/Sammy Wintersohl

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