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Gottesdienst zum Abschluss des 6. Kurses der Ausbildung in Seelsorge für Ehrenamtliche

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„Ich bin unendlich dankbar, dass Sie sich schicken lassen. Dass Sie sagen, ja, wir stellen uns dem, mit dem, was wir haben, mit dem, was kommt und was wir gelernt haben.“ Mit diesen und weiteren ermutigenden Worten würdigte Superintendent Torsten Krall in der Kartäuserkirche sechs Frauen und Männer, die nach ihrer rund 1,5-jährigen Fort- und Ausbildung in Seelsorge für Ehrenamtliche im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region ihre Bescheinigungen erhielten. Wertschätzend-stärkend ging ebenso Pfarrerin und Ausbildungsleiterin Dagmar Schwirschke eindrücklich auf die Freiwilligen ein. Auf deren Bereitschaft, „Menschen in unterschiedlichen, oft auch schwierigen und bedrängenden Situationen seelsorglich begleiten zu wollen“.

„Lebenswege begleiten“ heißt das Angebot des Kirchenverbandes zur zweistufigen Fort- und Ausbildung in Seelsorge. Es umfasst einen Basis- und Aufbaukurs. Mit ihren erweiterten und vertieften Kompetenzen sind die Teilnehmenden beziehungsweise Absolventen anschließend in verschiedenen Arbeitsfeldern der Seelsorge tätig.

Zum Kursabschluss steht obligatorisch neben einem internen Kolloquium ein gemeinsamer Gottesdienst auf dem Plan. So begrüßte Schwirschke im Gotteshaus in der Kölner Südstadt auch Angehörige, Freunde und Freundinnen der Ehrenamtlichen. Sie hieß deren hauptamtlichen Mentorinnen und Mentoren willkommen sowie mit Silke Schmidt und Hartmut Melenk zwei Mitglieder des Verbandsvorstandes. Der die Feier mitgestaltende Pfarrer Torsten Krall, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, ist im Kirchenverband für die Seelsorgebereiche und damit auch für die Ausbildung Ehrenamtlicher in Seelsorge zuständig.

Herzlich begrüßte die Pfarrerin auch ihren Ende Mai letzten Jahres in den Ruhestand verabschiedeten „geschätzten Kollegen Karsten Leverenz“. Mit ihm habe sie gemeinsam noch den Basiskurs durchgeführt und den Aufbaukurs alleine geleitet. Schwirschke nannte die sechs Teilnehmenden anerkennend eine „sowieso besondere Gruppe, aber ,anders‘ besonders“. Gerade deswegen, weil sich deren Mitglieder stets brillant auf neue Situationen wie diese eingestellt sowie gegenseitig begleitet und mitgetragen hätten.

In der Vorbereitung des Gottesdienstes kam Schwirschke als passender Text für den Anlass das Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ (Lk 10, 25-37) in den Sinn. In ihrer Predigt verdeutlichte sie den Grund. „Mit Blick auf die Geschichte vom barmherzigen Samariter finde ich das ein sehr zugewandtes, einfühlsames, ja barmherziges und auch liebevolles Miteinander“, würdigte Schwirschke. Der Samariter sei ein Mensch, „der tut einfach, was ,dran‘ ist. Er kommt an dem Verletzten vorbei, er schaut genau hin, er nimmt wahr, was er sieht und er lässt sich davon anrühren.“

Der Helfende wirke „ganz und gar unaufgeregt“ und „vollkommen konzentriert in seinem Tun“. Er sei „ganz bei seinem Gegenüber und bei dem, was jetzt in diesem Moment hilfreich sein könnte oder auch getan werden muss“.

Für den Moment gehe es nur am Rand darum, wer der Verletzte sei, wo er herkomme und wo er hin wolle. „Vielmehr steht im Vordergrund, wie es diesem Menschen in diesem Moment, in dieser Situation geht“, lenkte Schwirschke den Blick auf den Einsatz der anwesenden Ehrenamtlichen. „Vieles von der Haltung des barmherzigen Samariters ist auch auf die seelsorgerische Begleitung übertragbar und auf den Umgang mit Menschen, deren Erfahrungen ihre Seele verletzt haben.“ Schon während ihrer Ausbildung hätten die Ehrenamtlichen häufiger Menschen in schwierigen seelsorgerischen Situationen erlebt und begleitet. Schwirschke nannte verschiedene, „alles nicht einfache“ Themen, darunter Flucht und Migration, Angst und Resignation, Tod und suizidale Gedanken. „Sie waren da, waren wach und präsent und sie haben aufmerksam wahrgenommen, auf welche Weise Sie ihrem Gegenüber Unterstützung sein können.“

Schwirschke hob einen weiteren wichtigen Aspekt in der Geschichte vom barmherzigen Samariter hervor. Nachdem dieser die weitere Versorgung des Verletzten sichergestellt habe, sei er zurückgekehrt in seinen Alltag. Diese Haltung nannte die auch in der Gehörlosenseelsorge des Kirchenverbandes und als Gestalttherapeutin tätige Pfarrerin einen weiteren wesentlichen Gesichtspunkt im seelsorgerischen Handeln. „Das Ende des Gesprächs vorzubereiten; zu schauen, ob noch jemand eine Information braucht; das Gegenüber wieder sich selbst zu überlassen und, wenn nötig, an andere zuständige Menschen abzugeben.“ Das Zurückgehen in sein eigenes Leben bedeute notwendige Abgrenzung und Selbstfürsorge.

„Was habt Ihr zu geben?“

Beides stehe in der Geschichte vom barmherzigen Samariter in gleicher Weise nebeneinander: „Die Fürsorge für den Nächsten.“ Zugleich die Fürsorge für sich selber aufmerksam wahr und die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen. Mit beidem brächten wir zum Ausdruck, „wie sehr wir Gott lieben und ehren“. Umgekehrt werde in beidem auch deutlich, wie sehr Gott uns liebe: „Dass er für uns da ist und spürbar wird in der Begleitung von Menschen. Und dass es für ihn genauso wesentlich ist, dass wir auch unsere eigene Seele gut versorgen.“ Schwirschke wünschte den Ehrenamtlichen, dass sie „in ihrem Dienst immer wieder beides spüren können“.

Auch Krall thematisierte ein zum Anlass passendes Bibelwort. Nachdem Jesus einmal stundenlang zu einer sehr großen Menschenmenge gesprochen habe, hätten ihn die Jünger in Sorge um die hungrigen und durstigen Zuhörenden gebeten, diese „jetzt mal gehen zu lassen“. Jesus habe zugestimmt. „Ja, es gibt ein Problem, ihr habt es erkannt, ihr habt es gesehen, ihr habt mitgefühlt“, fasste Krall dessen Reaktion zusammen. „Jetzt seid ihr dran. Was macht ihr jetzt, sorgt ihr für sie?“, habe er die überraschten Jünger gefragt. „Was habt ihr, was könnt ihr den Leuten geben?“ Schließlich seien fünf Brote und zwei Fische zusammengekommen.

„Was habt Ihr zu geben?“, sprach Krall die Ehrenamtlichen direkt an. Und beantwortete seine rhetorische Frage selbst: „Ihr habt die Not erkannt, sonst wärt Ihr nicht hier. Ihr erkennt, wie es den Leuten geht. Womit geht ihr raus? Die Geschichte endet ja damit, dass am Ende alle satt werden. Man kann es sich nicht richtig erklären. Es ist ein Wunder.“ Krall glaubt, dass es diese Dimension auch im seelsorgerischen Gespräch gibt. „Womit komme ich eigentlich dahin, womit kann ich anderen in schlimmen Lagen wirklich helfen?“ Wenn man Menschen unterstützen wolle, wenn trotz Schwierigkeiten ein Gespräch zustande komme und man in Kontakt bleibe, „was geschieht dann eigentlich“, fragte der Pfarrer: „In seelsorgerischen Gesprächen geschieht ein Wunder und Menschen werden satt.“

Die Ehrenamtlichen kämen mit dem, was sie hätten. „Sie bringen Engagement mit. Sie wissen genau, wo ihre Grenzen sind.“ Sie vertrauten auf die Anwesenheit Jesu. Und darauf, dass im Gespräch mit dem Gegenüber etwas geschehe. „Es kann und wird Gutes geschehen, auf die eine oder andere Weise“, ermutigte der Stadtsuperintendent. „Das ist ein großes Versprechen. Wir haben erlebt, dass es wahr wird.“ Nach einem persönlichen Dank betonte der Seelsorger, dass es viele Menschen gebe und geben werde, „die sehr dankbar sind, dass Sie das machen“. Bevor man zu einer kleinen Feier in das Nachbargebäude wechselte, überreichte Krall als „kleines äußerliches Zeichen“ den sichtlich erfreuten Ehrenamtlichen „eine Bescheinigung darüber, dass Sie mehr haben als fünf Brote und zwei Fische“.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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