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„Evangelisch leben hält Kirche agil: 1904 – 1934 – 1964 – 2024“: Ausstellung zum Evangelischen Kirchenverband Köln und Region

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„Evangelisch leben hält Kirche agil: 1904 – 1934 – 1964 – 2024“: Die Geschichte des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region nimmt eine Ausstellung in der Trinitatiskirche in den Fokus. Mit Displays, Vitrinen und Rollups zeigt die Ausstellung wichtige Stationen der Entwicklung der Evangelischen Kirche in Köln und Region.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger begrüßte die Gäste bei der Ausstellungseröffnung: „Die Kirche Jesu Christi lebt immer vom Wort Gottes und von den Menschen, die sich dafür begeistern lassen.“ Es stünden gewaltige Veränderungen vor der Tür: „Wir geben Standorte auf, wir werden weniger Pfarrstellen haben und auch viel weniger Geld.“ 2026 werden die drei linksrheinischen Kirchenkreise fusionieren. „Das ist ein richtig großer Schritt“, sagte Seiger. „Wir werden dann der größte Kirchenkreis in der Evangelischen Kirche im Rheinland sein. Wir wollen schlanker und effektiver werden.“

„Wo kommen wir her?“, fragte der Stadtsuperintendent und gab selbst die Antwort: „Wir kommen von den beiden biblischen Testamenten und von der Reformation her.“ Er nannte 1964 das Scharnierjahr in dieser Zeit, in dem der Kirchenverband, so wie er grundsätzlich heute besteht, gegründet wurde. „Damals hatten wir 480.000 Mitglieder, heute sind es noch die Hälfte.“

Das Credo habe gelautet „Gemeinsam sind wir stärker“

Es gebe Aussagen, der Verband von 1934 sei eine „Nazi-Gründung“ gewesen. Das stimme nicht, so Seiger. Vorplanungen hätte es schon Jahrzehnte vorher gegeben. Das Credo habe gelautet „Gemeinsam sind wir stärker“. Im Januar 1934 wurde auf Antrag der Provinzialsynode vom Mai 1933 der „Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Köln“ gegründet. Der Verband änderte sich seitdem nach den jeweiligen Anforderungen immer wieder. Parallel zur Aufteilung des Kirchenkreises Köln wurde 1964 der Gesamtverband in den Evangelischen Kirchenverband übergeleitet. Der damalige Kirchenkreis war zu groß und unübersichtlich geworden. Man habe in jenen Jahren viel über die Teilungsmöglichkeiten diskutiert. Es gab Varianten von drei bis fünf Kirchenkreisen. Der Stadtsuperintendent sagte dazu: „Die Wandlungen zeigen, dass die Formen der Organisation unserer Kirche dem sich ändernden Leben dienen müssen, nach dem Motto `form follows function´“.

Der Stadtsuperintendent freute sich, drei seiner Vorgänger in der Trinitatiskirche begrüßen zu dürfen. Manfred Kock, Ernst Fey und Rolf Domning hatten es sich nicht nehmen lassen, die Ausstellung zu besuchen. Wie auch Stadtdechant Robert Kleine, den Seiger mit den Worten begrüßte: „Wir erleben den Wandel der Kirche in ökumenischer Vereintheit.“ Seiger dankte den Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Ausstellung 2024“: Alexander El Salib, Professor Siegfried Hermle, Claudia Klein-Adorf, Stephan Neugebauer, Stefanie Sternenmann und Sammy Wintersohl.

Präses Thorsten Latzel war ebenfalls in die Trinitatiskirche gekommen. In seinem Grußwort erinnerte er an den Roman „Acht Berge“. Darin heiße es, das nicht das Meer die Zukunft des Flusses sei, sondern die Quelle. „Ohne Herkunft keine Zukunft.“ Man müsse den „Altvorderen“ dankbar sein für das, was man heute als selbstverständlich erachte. „Wie reich die kirchliche Arbeit heute in Köln ist.“ Aber auch Demut sei geboten. Die Geschichte lehre, dass Gott die Kirche baue. „Wir sollten es dem Heiligen Geist im Übrigen nicht unnötig schwer machen.“

„Wir verleihen den Menschen in unserer Zeit Hoffnung“

Es seien damals andere Herausforderungen gewesen, nach dem Zweiten Weltkrieg. Latzel verwies auf die hohen Mitgliederzahlen. „Wir müssen den Mut haben, Entscheidungen zu treffen in unserer Zeit. Wir sind keine Volkskirche mehr. Aber wir sind eine Großkirche, die auf andere Weise wirken kann. Suchet der Stadt Bestes. Manche Gemeinden tun sich schwer damit, Pfründe abzugeben.“ Der Präses riet zu Gelassenheit. „Die Kirche Jesu Christi wird bestehen bis ans Ende unserer Zeit. Wir richten uns aus am Evangelium Jesu Christi. Und wir verleihen den Menschen in unserer Zeit Hoffnung. Auferstehungshoffnung.“

Professor Dr. Siegfried Hermle, emeritierter Professor für Kirchengeschichte und maßgeblich an der Recherche für „Evangelisch leben hält Kirche agil: 1904 – 1934 – 1964 -2024“ beteiligt, führte in die Ausstellung ein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe es auf Kölner Stadtgebiet sechs evangelische Kirchengemeinden gegeben: Reiche Gemeinden wie Lindenthal, Nippes und Bayenthal hätten ärmeren wie Ehrenfeld und Deutz gegenüber gestanden. Ein Vorstoß zur Bildung eines Verbandes der Gemeinden, auch um die finanziellen Unterschiede auszugleichen, blieb ohne Resonanz. Mit der Eingemeindung von Kalk, Mülheim und Dellbrück stellte sich erneut die Frage nach einer engeren Zusammenarbeit.

Gegründet wurde schließlich vor 120 Jahren ein „Vertretrer-Ausschuß der evangelischen Gemeinden Groß-Cöln’s“. Der hatte aber keine rechtlichen Kompetenzen. Es war schließlich die Landeskirche, die auf Antrag der Kreissynode Köln am 18. Januar 1934 die Bildung eines „Gesamtverbandes der Evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Köln“ anordnete. Dem waren Jahre der Vorbereitungen vorausgegangen. In der Nachkriegszeit ging es vor allem darum, die zerstörten Gebäude wieder aufzubauen. Gleichzeitig gab es einen großen Mangel an Pfarrpersonen.

Im September 1945 wählte die Kreissynode Hans Encke zum Superintendenten. Unter seiner Führung verschmolz der Kirchenkreis mit dem Gesamtverband. Die Selbstständigkeit der Gemeinden wurde aufrechterhalten, Arbeitsfelder wie Diakonie und Erwachsenenbildung wurden auf gemeinsame Einrichtungen übertragen. Die Gemeinden wuchsen und 1963 entschied man sich, den Kirchenkreis Köln in vier Kirchenkreise aufzuteilen und als Klammer einen Verband einzurichten. Hans Encke wurde erster Stadtsuperintendent.

Diese Struktur wurde bis heute beibehalten. Aber „ecclesia semper reformanda“: 2026 wird aus den drei linksrheinischen Kirchenkreisen einer.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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