You are currently viewing Über die Zukunft des Radverkehrs in Köln: Diskussion im Gemeindehaus der Dellbrücker Christuskirche

Über die Zukunft des Radverkehrs in Köln: Diskussion im Gemeindehaus der Dellbrücker Christuskirche

  • Beitrags-Kategorie:EKV

Damit hatte der Dellbrücker Pfarrer Ulrich Kock-Blunk nicht gerechnet. Er hatte die Diskussionsveranstaltung im Gemeindehaus auf Social Media angekündigt – und die Reaktionen waren hitzig und emotional. Erhobene Fäuste waren da zu sehen, und Emojis, die sich übergeben. Dabei war das Thema keineswegs anstößig: „Wie sieht die Zukunft des Fahrradfahrens in Köln aus?“

Diskutiert werden sollte der sogenannte „Radentscheid“ für die Stadt Köln, mit dem die Bedingungen für eine umweltfreundliche und menschenfreundliche Verkehrspolitik verbessert werden sollen. Die Initiative möchte 24.615 Unterschriften sammeln. Die sind nötig, damit der Rat entscheiden muss, ob er der Initiative folgt. Wenn der Rat dagegen ist, wird es automatisch einen Bürgerentscheid geben, das heißt, alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln dürfen über das Begehren abstimmen. Auf dem Podium saßen Nyke Slawik, Bundestagsabgeordnete der Grünen, Teresa De Bellis-Olinger, Ratsmitglied der CDU, Lukas Lorenz, Ratsmitglied der SPD, und Dr. Ute Symanski, Radkomm e. V. Die Moderation übernahm Journalist und Publizist Arnd Henze.

„Was die Verbesserung des Radverkehrs angeht, sind wir so wenig weit wie alle deutschen Städte“, erklärte Symanski gleich zu Beginn. Und im Vergleich zu Kopenhagen schneide Köln ganz, ganz schlecht ab. Sie empfahl einen Blick nach Paris. Die französische Hauptstadt sei vor Amtsantritt von Bürgermeisterin Anne Hidalgo eine „Verkehrshölle“ gewesen. Nun könne man ganz entspannt an der Seine entlang radeln. „Hidalgo hat sich das vorgenommen, und die macht das.“

Die Kritik wollte De Bellis nicht auf sich sitzen lassen. „Wir im Ratsbündnis von CDU, Grünen und Volt haben viele guten Lösungen gefunden. Wenn es Streit gibt, dann wegen Beschlüssen der Bezirksvertretungen.“ Zum Thema Paris: „Die haben eine hervorragende Metro und viel breitere Straßen.“ Es gebe Ideologen auf Seiten der Radfahrer und der Autofahrer. Entscheidend für den Radverkehr seien nicht die Straßen in der Innenstadt, sondern die in den Außenbezirken. Die seien oft schlecht oder nicht beleuchtet. „Wenn wir dort nicht Sicherheit schaffen, wird das mit der Verkehrswenden lange dauern.“ Und „machen“ müsse die Verwaltung. Der Fahrradbeauftragte der Stadt verfüge über deutlich mehr Personal als früher. Offenbar reiche das aber immer noch nicht.

Fehlendes Konzept für Radrouten in den Bezirken

Lorenz kritisierte, dass die Verwaltung Beschlüsse oft nicht umsetze. Aber: „Womit soll die Politik drohen?“ Im Übrigen fehle ein Konzept für Radrouten in den Bezirken. Als Beispiel nannte er die Kalker Hauptstraße, auf der die Schutzstreifen für Radfahrer alles andere als optimal seien.

Nyke Slawik erinnerte daran, dass sie Verwaltung bei Umsetzung der Beschlüsse an die Straßenverkehrsordnung gebunden sei. Langsam verändere sich die Sicht auf die Dinge. In den künftigen Vorschriften für den Straßenverkehr würden Luftreinhaltung und flüssiger Verkehr gleichwertig behandelt. Problematisch sei, dass alle CDU-Landesregierungen die neue Straßenverkehrsordnung ablehnten. „Das Gute hakt man ab. Das Schlechte wird immer wieder zum Thema. Ich habe erreicht, dass in ganz Widdersdorf Tempo 30 gilt.“ Dort wohnt die CDU-Politikerin. „Leidenschaftslos“ sei sie in Sachen Kalker Hauptstraße. Dort wird gerade über eine Einbahnstraßenregelung diskutiert. Wichtig sei, dass man die Leute mitnehme, Informationsveranstaltungen seien geplant.

Als „Erfolgsgeschichten“ bezeichnete Lorenz die Radwege auf den Ringen und der Nord-Süd-Fahrt. Die Wälle seien größtenteils Fahrradstraße. Auf der Dellbrücker Hauptstraße gelte Tempo 20. Bei der Neusser und der Gummersbacher Straße warte man weiter auf die Verwaltung. Symanski wünschte sich, dass De Bellis nach Ehrenfeld umzieht, um dort auch für die Drosselung der Geschwindigkeit zu sorgen. „Als Tempo-30-Nomadin.“ Anne Hidalgo habe erklärt, sie wünsche sich, dass Paris zur Fahrradhauptstadt Europas werde. „Ein solches Zielbild fehlt Köln. Wir brauchen beispielsweise endlich Quartiersgaragen. Die Autoparkplätze können wir für was Besseres nutzen.“

Symanski hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie von einem Image-Film der Universität zu Köln erzählte. „Da sah man nur Grünflächen. Keine Autos. Die Uni möchte offenbar Studierende anlocken mit einer vermeintlich autofreien Stadt.“

Die ehemalige SPD-Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes erinnerte daran, dass Ratsmitglieder und Verwaltungsvertreter früher regelmäßig durch die Veedel geradelt sind und an neuralgischen Punkten diskutiert haben, welche Verbesserungen möglich sind. Das habe zur Folge gehabt, dass die Amtsleiter ihre Stadt kennengelernt hätten.

Symanski lobte das „wahnsinnig große Engagement der Kölner Zivilgesellschaft“. Aber dass die Verwaltung mitradelt, könne nur die Politik beschließen. Lorenz entschied kurz und bündig: „Das kommt auf meine Auftragsliste.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

Der Beitrag Über die Zukunft des Radverkehrs in Köln: Diskussion im Gemeindehaus der Dellbrücker Christuskirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.