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Kommunikation ist eine Schatzsuche: „Marte Meo“-Fachtag der Diakonie Kitas Köln und Region

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„Jedes Kind wird mit einer Goldmine geboren.“ Diesen „Schatz“ gelte es zu heben. Von dieser Aussage ist die Niederländerin Maria Aarts überzeugt und vertrag sie daher auch im Rahmen eines Fachtages der Diakonie Kitas Köln und Region in Worringen. Vor den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern stellte sie auch ihre Marte Meo-Methode vor und zeigte „Entwicklungsmöglichkeiten im Kita-Alltag“ auf.

Die Niederländerin arbeitete im Jahr 1976 in einer Einrichtung für autistische Kinder in Südholland, als ihr klar wurde, wie wichtig es wäre, auch die Eltern den Behandlungsprozess und die gezielte Förderung der Kinder einzubeziehen. Schon immer hatte die Tochter eines Bauunternehmers, sie selbst ist das achte von insgesamt 14 Kindern, gerne Menschen beobachtet und ihren „trainierten Augen“ verdankte sie auch ihre Fähigkeit, auch mit extrem verschlossenen Kindern in Kontakt zu treten. Eine verzweifelte Mutter klagte ihr einmal: „Wir haben genug Zeit und genug Liebe, aber uns fehlen die Informationen.“

Diese Informationen stellt die Marte Meo-Methode (lat., übersetzt etwa „aus eigener Kraft“) Eltern, Angehörigen und pädagogischen Fachkräften in Form von detaillierten Interaktionsanalysen anhand kurzer Videoclips von Alltagssituationen zur Verfügung. Ziel ist es, zu ermutigen und „erfolgreiche Interaktionsmomente“ zu schaffen, indem nicht nur die eigene Interaktion kritisch hinterfragt und trainiert wird, sondern vor allem Potenziale entdeckt und gefördert werden.

Auf Korrekturen verzichten

Doch nicht nur im Kita-Bereich oder in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen findet die Marte Meo-Methode Anwendung. Auch im Umgang mit an Demenz erkrankten Personen kann eine sehr auf das Freilegen von Potenzialen fokussierte Kommunikations- und Interaktionsstrategie Pflegenden und Angehörigen helfen, Zugang zu den Betroffenen zu finden. Am Beispiel einer an Demenz erkrankten Dame und ihrer Pflegerin machte Maria Aarts deutlich, worauf es dabei vor allem ankommt. Nach ihrer Ansicht sind dies ein „einladendes“ Gesicht und eine ruhige, freundliche Stimme. Außerdem benötigen die Aktivitäten und Äußerungen des Gegenübers Raum. Dabei sollte auf Korrekturen verzichtet werden. Stattdessen könnten die pflegende Person zeigen und leiten.

Die kleine Edda und ihr Vater waren die „heimlichen Stars“ des Fachtages, ob beim Spielen oder beim Erlernen des Zähneputzens – in kleinen Schritten erklärte Maria Aarts, welche Handlungsstrategien sich aus den Videoclips für den Erziehungsalltag ableiten lassen: Eltern sollten grundsätzlich nicht mitspielen, sondern sich möglichst darauf beschränken, die Tätigkeiten des Kindes präzise zu benennen. Das Wiederholen von lautlichen bzw. sprachlichen Äußerungen des Kindes erzeugt Verbundenheit und vermittelt dem Kind das Gefühl: „Du wirst gesehen. Du wirst gehört.“ Sofern sie intervenieren, sollten die Eltern ebenfalls in Worte fassen, was sie tun, und stets Respekt vor der Initiative des Kindes zeigen.

Kind durch Lob und positive Verstärkung ermutigen

Beim Lernen neuer Dinge muss das Gehirn entspannt und konzentriert gleichzeitig sein, was nur in einer angenehmen, angstfreien Atmosphäre gelingen kann. Der Erwachsene muss sagen, wie es weitergeht und wenn ein Lernschritt gelungen ist, das Kind durch Lob und positive Verstärkung ermutigen. Statt zu korrigieren, sollte der Erwachsene Vorschläge machen und den gesamten Lernprozess durch die Doppelinstruktion (sagen und zeigen) begleiten.

Nach der Mittagspause wurden zwei weitere Diakonie-Kitas des Kirchenkreises Köln und Region, die Kita Werkstattstraße in Nippes und die Kita Fröbelstraße in Ehrenfeld, Marte Meo-zertifiziert. Die Kinderwelt Immanuel in Longerich ist bereits seit 2023 zertifizierte Marte Meo-Kita. Der evangelische Kitaverband Köln-Nord hat 2016 mit der Marte Meo-Ausbildung bei den Mitarbeitenden begonnen. Der Startschuss im Jahr 2016 war ein Marte Meo Fachtag beim evangelischen Kitaverband Köln-Nord. „Da ist der Funke übergesprungen“, erinnerte sich Constanze Moths aus der Geschäftsleitung Diakonie Kitas Köln und Region gGmbH. Seitdem ist Marte Meo fester Bestandteil in der Kitaarbeit. Sowohl Marte Meo-Kollegentrainer als auch Marte Meo – Praktiker wurden und werden auch in der neuen Trägerschaft „Diakonie Kitas Köln und Region gGmbH“ ausgebildet. Aktuell sind 10 Marte Meo-Kollegentrainer und nahezu 50 Marte Meo-Praktiker ausgebildet. Der Weg mit Marte Meo kann also weitergehen.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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